aus dem tagebuch eines alten bikers 24

es hilft nix, ich muß wohl oder übel wieder mal einen termin mit meinem psychiater vereinbaren! alle anzeichen passen, die symptome, ja, ich erkenne sie! eindeutig und unverschleierbar, es ist wieder so weit! die winter-depp-ression ist im anmarsch, wie weihnachten, nur früher und länger anhaltend… und damit ist für meinen psychodoc wieder hochsaison! der arme…

morgens, wenn ich den oldie aufschließ’ und mich rein setze, dann fängt schon mal das komische gefühl an… zuerst einmal, ich darf nimmer meine eierschale mit den pinups drauf tragen, und bevor’s mir auf der platte zieht und die frisur im ar*** ist, setz’ ich eben einen lederhut auf. und das wirkt! ich hab’ die haare schön! aber trotzdem, auch wenn der hut einen freien fall vom 10 stock runter unbeschadet übersteht, es fühlt sich trotzdem komisch an… dafür (danke an meinen kollegen vom letzten mal!) schaut mich keiner mehr blöder an als sonst…

naja, dann muß ich am schlüssel drehen und wenn’s dann rumort vor meinen beinen, dann den schlüssel loslassen… fix und zugenäht, warum können’s kein rotes knöpferl einbauen mit dem altbekannten symbol drauf? das ist ja total… wurscht…ich red’ mich langsam in eine psychose rein, sagt mein doc…

naja, wenn ich mal ehrlich sein soll, irgendwie fühl’ ich mich im auto eben nicht als mensch! mir kommt da immer der vergleich mit ölsardinen in den sinn… keine ahnung, warum, denn im gegensatz zu den sardinen sitze ich meißt allein in der büchse, außer meine frau fährt, dann sind wir zu zweit! und da wir beide brachialbiker sind, will mit uns seltsamerweise niemand im auto mitfahren… liegt das daran, weil wir jeden motorradfahrer mit wilden winken grüßen? oder daran, daß wir immer mit rückenprotektor fahren? oder braucht man das ding auch nicht im auto??? muß ich mal ausprobieren…

ich weiß, mich versteht niemand… oder etwa doch? aber es ist nun mal so, daß ich irgendwie in der kiste immer das gefühl hab, ich bekomme keine luft! sicher, es wird mit der zeit angenehm warm und es bleibt trocken, besonders wenn das schiebedach zu ist und der motor läuft, aber trotzdem, es ist irgendwie beengend. ich hab schon vieles probiert, aber beim letzten mal, als ich mit offenen türen fahren wollte, da… lassen wir das… und immer beim ab- ööhhh… aussteigen, ich bin es einfach gewohnt, den seitenständer auszuklappen. aber wieso kommt irgendeiner auf die idee, spiegel in die seitenständer zu montieren? die sind doch jedesmal im ar***, wenn man den seitenständer benützt! manche autokonstrukteure sind vermutlich nicht ganz helle, oder?

sicher, das topcase beim auto ist deutlich größer als bei der wing, aber die verdammten seitenkoffer gehen einfach nicht auf! ich finde, die räder hätte man sicher zwischen die seitenkoffer einbauen können und nicht IN die seitenkoffer, oder?

und warum muß ein auto vorne auch zwei räder haben? was bringt das denn? oh ja, klar, ich bring ja den fuß nicht schnell genug an der ampel raus, da fall ich ja um, okay, akzeptiert… aber wieso braucht man türen? ich meine, kann man da nicht sowas wie die berühmten katzenklappen einbauen? das müßte doch auch funktionieren, oder?

ich finde meinen oldie zwar nicht schön, aber schöner als der c1 aus bayern ist er auf jeden fall… also, bevor ich mir so einen c1 kaufe, fahr ich im winter doch noch lieber mit meinem oldie. auch wenn ich mich dabei nur bedingt wohl fühle… mein doc sagt dann immer: das liegt ganz tief in deiner kindheit…

was bitte hat meine kindheit damit zu tun? ich meine, die zeit im kinderwagen, die ist schon so lange vorbei, daß ich mich schon ewig nimmer dran erinnern kann, oder meint er, meine mutter hätte mich mit zwanzig noch im kinderwagen gefahren??? was nimmt denn der für drogen? na, das muß ich ihn bei der nächsten sitzung fragen und vielleicht gibt er mir ja was ab…

das einzige, was mir bleibt, ist wieder mal das mopped in den ersten stock schleppen, im wohnzimmer ventilatoren aufstellen und benzin in den verdampfer tun… und für die nächsten drei monate niemanden einladen!

Author:

Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

2 thoughts on “aus dem tagebuch eines alten bikers 24”

  • Also Grazer ich glaube ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit deinem psycho Doc reden, irgendwie taugt der nichts. Bei dir handelt es sich nicht um eine Psychose, sondern um eine Multiple – Persönlichkeit mit Panikattacken. Denn wenn du dich auf dem Motorrad wie ein Mensch fühlst und im Auto plötzlich keiner mehr bist, hat sich eindeutig deine Persönlichkeit gespalten. Und wenn du im Auto noch e inen Rückenprotektor benötigst, musst du schon arge Panikattacken haben – da helfen dir nur die Menschen um dich herum, ein psycho Doc hilft da nichts, denn dann muss dein Weiblein und der rest der Familei alles dafür tun um dein Selbstbewusstsein zu stärken und dir klar zu machen, dass du keine Angst haben musst, dass dir im Auto was passieren könnte, wenn du ohne das Teil fährst.

  • ich hab jetzt umgesattelt… öffis! da wirken meine protektorenhandschuhe wenigstens nimmer so komisch wie im auto… und am bahngleis siehst auch keine biker, die man grüßen könnte… hat mir mein doc so empfohlen! fehlt nur mehr ac/dc im soundsystem, aber dazu kann ich den zugbegleiter (ja, so nennt man das heute, früher war’s noch der road captain!) sicher auch noch überzeugen…

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