boaaahhhh

natürlich wird es wieder einmal zeit für eine kinder-story, oder nicht? immerhin sind kinder unsere zukunft, und abgesehen von dem schrott, den wir ihnen hinterlassen, sind sie auch ein spiegel unserer zeit. klingt wortgewaltig, aber irgendwie ist es sehr real und egal, wie sehr wir oft über diverse nachwuchsrossis oder 50kubik-rocker lästern, einerseits waren wir doch auch mal selber welche und andererseits sind sie trotz allem ein spiegel unserer realität.

klingt jetzt doch recht bös, soll es auch und vielleicht regt es im einen oder anderen mal zum nachdenken an. aber das ist nun nicht wirklich sinn und zweck der übung… zumindest nicht vordergründig…

naja, eigentlich geht es zum zwei kleine wkv-rocker, also wadelkrampfvehikel-rocker. zwei buben, ich schätze mal, so zwischen fünf und sechs jahre jung, aufgeweckt nicht unbedingt sehr schüchtern, aber auch noch keinesfalls in die kategorie „freche rotznasen“ einzuordnen, also eigentlich völlig normale, fröhliche und aufgeweckte buben eben. und, wenn ich es richtig beobachtet habe, gegenüber in der siedlung wohnhaft. vielleicht auch mit migrantischem hintergrund, könnte man jedenfalls auf grund ihrer erscheinung denken, aber dennoch respektvoll und so gar nicht typische minimachos, wie sosnt üblich…

wurscht (mist, ich kann’s nicht lassen, mein lieblingswort… da ist es wieder!)…

naja, die zwei wkv-rocker jedenfalls tummeln sich mit ihren wkv’s bei uns am firmengelände, naja, tummeln ist etwas übertrieben, sie spielen halt im fahrradbereich, irgendwo mitten drin, mit abstand zu den rädern der kollegen und kolleginnen… und sind eigentlich eben grad fröhlich am spielen, als mich einer entdeckt, wie ich gerade zu meiner kiste hin unterwegs bin.

also, so am rande, wir haben in der firma eine überdachte stellfläche mit fahrradständern, dazwischen einen weg und dann einen überdachten stellplatz für unsere motorräder (und mopeds…), die firma legt also wert auf ihre mitarbeiter und damit auch die fahrzeuge ihren wert und vor allem besitzer behalten, ist alles kameraüberwacht und auch entsprechend gekennzeichnet… hat schon manchen in bekanntschaft mit schwedischen gardinen und anderem heavy metal gebracht…

wurscht, die zwei spielen grad und erblicken mich… in voller pracht, kutte, mähne, rauschebart (mein traum wäre eine gesichtsfrisur a’la zz top… nur ohne haarteil!)…

sie springen auf und schließen sich skrupellos und völlig angst- und schmerzfrei mir an und begleiten mich zu meiner wing. daneben steht das wkv des älteren, der mir ganz stolz erklärt, daß auch er ein biker sei, zwar nur mit einem wkv, aber er ist trotzdem ein biker! sensationell! und vor allem, mit welcher inbrunst er mir diese geisteshaltung erklärt, das muß natürlich honoriert werden, weshalb ich zuerst mal in meinen bart hinein grinse und ihm dann völlig stoisch und ernst zunicke. klar, ein biker, solche typen muß man absolut ernst nehmen und ihnen den rechten respekt zollen. wo kämen wir da hin, wenn dem so nimmer wäre!

trotzdem erkläre ich ihm, daß er vielleicht doch sein bike woanders abstellen sollte, denn, wenn es wirklich blöd her geht und ein motorrad kippt, dann wäre das für den heranwachsenden wkv-rocker ein nicht unbeträchtliches problem, vor allem, die vorstellung, bösartig wie wings nun mal sind, daß ihn meine wing anspringen und lebendig begraben könnte…

akzeptiert, klar, er fühlt sich ja ganz offensichtlich respektiert und daher findet er, daß es nach den grundlegenden klärungen an der zeit für einen smalltalk unter bikern. und er, da er definitiv der härteste biker von hier bis texas ist, ist in der position, fragen zu stellen, und, aus respekt, beantworte ich seine fragen natürlich auch. mit dem respektierlichem ernst, immerhin, wir sind unter uns bikern und da gibt es keine blöden scherze, nicht wahr? biker sind respektvolle, ernsthafte höllenhunde… tja, so sind wir biker nun mal!

er beginnt mit der aufforderung, die wing zu starten. no na… aber ich starte sie erst, wenn ich drauf sitze! akzeptiert… macht irgendwie sinn…

gut, nächste frage: wie schaltet man die vielen lichter da vorne ein?

mit dem lichtschalter…

cool! und wo ist der?

am lenker…

die logik scheint ihn zu bestärken, erregt auf jeden fall sein technisches verständnis und vor allem sein interesse. neugierig? nein, echte männer sind nicht neugierig, sie sind bestenfalls interessiert, neugierig sind frauen!

für ihn endlich, für mich allerdings auch, steige ich auf, starte und…

das säuseln des sechszylinders geht im hämmernden stakkato der auf mich einprasselnden fragen unter… wie schaltet man die lichter ein?

ich schalte mal die fahrbeleuchtung ein, also die nebelstrahler und die dumdum-beleuchtung am sanften hintern der wing…

cool! sein blick erinnert mich wieder einmal an weihnachten…

und die zwei lichter? oder ist das nur ein großer?

naja, kurzzeitig kann man ja mal sinnbefreit den hauptscheinwerfer illuminieren (sehr intellent formuliert, nicht wahr?), worauf seine augen wieder einmal weihnachten in erinnerung rufen…

dann noch einmal ein dezentes „klick“ und plötzlich springt der jüngere wkv-rocker umher wie von einer ameise gebissen und schreit wie vorm lebendigen christkind „schau, das vorderrad leuchtet auch! cool!“

ein zweistimmiges „boaaahhhh“ ertönt…

gut, ich denke, ich beende die lichtspiele, bevor mich jemand für den irren bruder des weihnachtshasen hält und im topcase nach ostereiern sucht… aber irgendwie ist es mir doch zu ruhig, und ich liebe nun mal beim fahren satten rock von ac/dc, also wie heißt es in einem lied so treffend? turn the radio on…

für die zwei wkv-rocker tut sich ein höllenschlund auf, sie lauschen gebannt den ersten schlägen der glocken von „hells bells“ und steigern sich vor angus’s gitarre in ein boaaahhh-stakkato…

die maschine hat radio! und musik!

booaaaahhhh…

mit der linken zum gruße flüchte ich, am rande meiner selbstbeherrschung… und den kinnriemen wie ein alter ackergaul als beißriemen zwischen den zähnen…

Author:

Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

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