aus dem tagebuch eines alten bikers 18

es hilft ja nix, aber irgendwann muß auch mal der hartgesottenste biker wohl oder übel shoppen gehen. der mensch, und als solchen sehe ich nun mal auch biker, lebt nicht nur von benzin und asphalt alleine und egal wie sicher und edel die kluft auch sein mag, aber hin und wieder steht einem doch der sinn nach was anderem…

naja, und irgendwann hat es auch mich mal getroffen, ich brauch was, also ab ins shoppingcenter, no na, wenn’s mehr oder weniger direkt am weg liegt… (auch heute noch existiert es dort!)

tonnenweise tummeln sich da die menschen, glotzen einen blöd an, weil man bei zentraleuropäischen 24° in voller montur mit kutte daher kommt, doch was soll’s, ich bin nun mal so und abgesehen davon, ihr seht ja auch nicht wirklich attraktiver aus mit euren tops und den kellerbraunen spaghetti-tretern… na, wenn’s aber wahr ist!

gut, was soll’s… also rein ins getümmel und gaffer gekonnt und professionell ignorieren, wenn’s bei geschwindigkeitsbeschränkungen geht, dann bei gaffern auch! das bike steht sicher und wohlverwahrt im parkhaus, wird zwar einige mit ihren tiefergelegten 3ern ärgern, aber warum soll ich mir den hintern verkohlen, wenn’s ein parkhaus gibt?

und so stakse ich, etwas ungelenkig wegen der protektoren, aber trotzdem auf meinen eigenen beinen, zur rolltreppe… im prinzip ja nicht wirklich was weltbewegendes, haben schon viele vor mir getan und werden noch viele nach mir tun… wurscht…

eine junge mami mit ihrem etwa dreijährigen junior im buggy quält sich ab, irgendwie will sie mit der rolltreppe rauf, der lift ist ihr zu weit weg und trotzdem, irgendwie klappt das unternehmen nicht…

bereitwillig macht sie mir nach einem weiteren erfolglosen versuch, die rolltreppe mit dem buggy zu bezwingen, platz… scheinbar sehe ich nicht nur gefährlich, sondern auch sehr ungeduldig aus…

ich beuge mich runter, greif den buggy an der fußstütze und heb das ganze spielzeug samt inhalt hoch… die junge mami sieht mich entsetzt an…

„und? geht’s? kömma endlich rauf?“

ein schüchternes nicken und ab geht’s auf die unheimliche rolltreppe, der böse voran, die mami brav und eingeschüchtert hinterher und dazwischen, quasi als sicherheitsreserve der buggy inclusive junior…

junior sieht mich auch leicht entsetzt an…

„also, junior, schau genau her, ich bin einer von denen, vor denen dich deine mami in ein paar jahren warnen wird! nur wie du keiner von uns wirst, wird auch sie dir nie sagen können!“

junior nickt…

mami blickt entsetzt…

ich grinse, setze den buggy ab, dreh mich um und… verschwinde im getümmel… und lache in mich hinein… mit versucht bösem blick…

Author:

Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

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