Wenn jemand eine Reise tut

Ab und an ist das Leben gemein – so auch hier: mein Vorhaben in meinem Urlaub nach Hamburg zu fahren stand definitiv unter keinem guten Stern. Doch am Besten erzähle ich alles von Anfang an…

Es beginnt damit, dass ich erst sehr viel verspätet und mit entsprechender Laune abreisen kann – mit dem eigenen PKW auf der Autobahn. Doch das Glück wehrt nicht lange. Ausnahmsweise kein hirnverbrannter Verkehrsteilnehmer, sondern das Aufleuchten einer gelben Lampe am Armaturenbrett bremst meine Fahrt. Dank Navi findet sich schnell eine Werkstatt in unmittelbarer Nähe – nur 12 Kilometer ohne Autobahn.

Um es richtig zu machen, blättere ich in der Betriebsanleitung, wo es heißt, dass die Weiterreise tunlichst zu unterlassen sei. Da es zu dieser Zeit mitten in der Nacht ist, beschließe ich das Auto eben zur Werkstatt zu schieben, da keine Werkstatt um diese Zeit offen hat.

Ein paar Stunden später stehe ich vor der Tür der Werkstatt, welche mir nach ihrem Öffnen am darauffolgenden Tag erklärt, dass mir hier nicht geholfen werden kann. Als Trost bekomme ich jedoch die Adresse einer Citroen Werkstatt, welche ich prompt per Navi anpeile und mich auf den Weg mache. Dort angekommen wird mir erklärt, dass der Wagen automatisch die Motorleistung drosselt und man mit einem Notprogramm weiterfahren könnte. Angeblich von Hamburg bis Graz, wenn es sein müsste…

Dann kommt der Wagen an den Prüfcomputer, welcher nichts findet. Der Fehler wurde angeblich vom Ansaugluft-Sensor oder ähnlichem Gerümpel gemeldet und ist derzeit nicht vorhanden.

Der Fehlerstatus wurde zurückgesetzt und ich solle doch weiter fahren. 50 Euro leichter und vorerst erleichtert setzte ich meine Reise fort, bis sofort danach der Fehler wieder auftritt und die Warnleuchte angeht. Das Notprogramm, wie wir es bereits kennen und lieben. Da der Werkstatt-Typ mir die Weiterfahrt als möglich erklärt hat, tue ich dies um bei der nächsten Gelegenheit die Autobahn zu verlassen. Ich schaffte es mit letzter Not diese zu verlassen, wo ich endgültig liegen blieb.

Als braver Mensch beginne ich mit dem Anlegen der Warnweste nach Aktivierung der Warnblinkanlage um das Pannendreieck aufzustellen um danach noch in einiger Sicherheit einige Notrufe abzusetzen. Mein Kollege in Hamburg mobilisierte in der Zwischenzeit jemanden, der mich von der aktuellen Position einsammeln durfte.

Der Wagen blinkte am Straßenrand vor sich hin, just neben einem Schotterparkplatz, wo auch prompt jemand hielt. Doch der Halt des Herren war nicht erhoffte Hilfe. Im Gegenteil. Er legte eine Pinkelpause ein und fuhr dann weiter – genau so wie andere Leute. Keiner fragte ob es Probleme gab während ich mit der Warnweste bekleidet die Abschlepp-Öse montierte um den Wagen für den Abtransport fertig zu bekommen.

Eines ist auf jeden Fall klar: Bemerkt wurde ich, da sich alle vorbeifahrenden Leute nach mir umdrehten. Es ist ein Armutszeugnis der heutigen Gesellschaft dass niemand mehr Hilfe leisten will und es nicht einmal versucht.

Das Auto kam in eine Werkstatt welche wieder ihr Glück versuchte während ich bei Mixter war. Zwei Tage später bekam ich mein Auto wieder und freute mich schon gedanklich auf mein Bett. Doch nach 28,7 km hatte ich ausgeträumt da sich wieder das altbekannte gelbe Licht zu Wort meldete und ich wieder liegen blieb – mit einer Laune die jetzt am absoluten Tiefpunkt angelangt war.

Also nochmal die ganze Pannenübung durchexerzieren: Weste an, Dreieck raus. Stinksauer rief ich beim Citroen-Notdienst an, welcher mir Abschleppdienst und Leihauto versprach. Zeit verging und kein Schwein hielt – wie schon erlebt. Da ich schon den Notdienst angerufen hatte und auf dessen Rückruf harrte, waren dies sehr lange Minuten – viel länger als jene, die einem vor dem PC begegnen.

Dann endlich – ein Rückruf: Ich wurde vom Notdienst gefragt ob ich ein Hotel benötige und ob ich eine Kreditkarte hätte. Ich begann das Problem förmlich zu riechen: Der Leihwagen würde teuer werden. Ich beschloss also dankend abzulehnen und begann den Fehler des Autos auf einem Blatt Papier niederzuschreiben und dieses mit Schlüssel und Papieren in den Briefkasten der Werkstatt zu stopfen. Danach folgte ein durchaus interessanter Fußmarsch durch Hamburg, bis mich der Einsammeldienst meines Kollegen wieder aufpickte.

Nach einigen Tagen hatte ich dann mein Auto wieder und eine kleine Fehlerbeschreibung, die durchaus Biss hatte: Der Stecker der Hochdruckpumpe war durchgeschmort.

Das nächste Mal nehme ich den Flieger…

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10 thoughts on “Wenn jemand eine Reise tut”

  • siehste, genau aus solchen gründen fahre ich unter anderem motorrad, sinnvollerweise eines, dessen 6 zylinder mit einem altertümlichen vergaser beatmet werden, das einzige, was da mit einspritzung läuft, ist der fahrer!

    übrigens, meine tochter (16) blieb vor ein paar tagen mit ihrem roller in graz liegen… kein schwein hat gehalten, bis dann plötzlich ein biker in schwarzem leder stehen blieb und sie fragte, ob er ihr helfen oder sie heim bringen könnte… am rücken prangte das HA-colour…

    fazit meiner tochter: „weißt papa, die typen von den hells angels sind echt coole typen!“…

    tja… DAS sagt schon alles, oder?

  • Bei den Bikern ist das so eine Gemeinschaft – man merkt es schon auf der Straße. Ich bin mir sicher, wenn ich die Strecke mit meiner Neo’s geglüht wäre, hätte ich weniger Stress gehabt.

  • ist anzunehmen… und vor allem hätt die kiste funktioniert! bei einem mehr-als-zwei-räder-fahrzeug ist das heute nimmer so üblich…

  • Da feheln aber noch wichtige Details – wo kommt die Hilfe vom Heimatort vor? Weiters fehlen auch solche Details, was dies ganze für deine Holde bedeutet hat :-(

  • Du weißt, ich habe einen gewissen Ruf zu verlieren. Desweiteren würde das Erlebnis aufgrund der Ausdrucksweise wahrscheinlich als FSK90 und nur mit Begleitung der Eltern freigegeben werden…

  • So nennt man das, die Leser nicht verängstigen – die hätten nur gelernt, dass die Ländlebewohner gelernt haben zusammen zu arbeiten und aufeinander zu achten – was ist daran wohl beängstigend?
    Außerdem verheimlichst du eher, wie mitfühlend andere sind, welche zu Hause auf dem Sofa bis spät in die Nacht sitzen und warten bis du selber auch ein gemütliches Plätzchen zum Überbrücken der Nacht gefunden hast. Ich find da nichts beängstigendes dran lieber Stargazer.

  • stargazer hat einen ruf zu verlieren? das sind ja völlig neue aspekte… ich muß mal in mich gehen… (andere würden sagen: schau, jetzt bohrt das alte ferkel wieder in der nase rum…) ;-P

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