Shay

Diese Geschichte bekam ich heut morgen von einem Freund per Mail zugesandt… eigentlich nichts besonderes, eine kleine Geschichte eben… aber irgendwie doch anders…

Diese Geschichte, nun, egal, ob real geschehen oder nur Fiktion, sie zeigt eines, das vielleicht für uns „Erwachsene“ doch ein Denkanstoß von unseren Kindern kommen könnte, wir müßten es ihnen vielleicht nur ein bißchen vorleben…

…und als Ansatz, vielleicht auch einem oder mehreren Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, möchte ich in einem Zug an die Toy-Run 2009 in Wien, SCS, am 21. Juni 2009 und an den Joy-Ride am 6. Juni in Lustenau erinnern…

Und hier nun die Geschichte:

Bei einem Wohltätigkeitsessen zugunsten von Schülern mit Lernschwierigkeiten hielt der Vater eines der Kinder eine Rede, die so schnell keiner der Anwesen den vergessen wird.

Nachdem er die Schule und ihre Mitarbeiter in höchsten Tönen gelobt hatte, stellte er folgende Frage: „Wenn keine störenden äußeren Einflüsse zum Tragen kommen, gerät alles, was die Natur anpackt, zur Perfektion. Aber mein Sohn Shay ist nicht so lernfähig wie andere Kinder. Er ist nicht in der Lage, die Dinge so zu verstehen wie andere Kinder. Wo ist die natürliche Ordnung der Dinge bei meinem Sohn?“

Das Publikum war angesichts dieser Frage vollkommen stumm.
Der Vater fuhr fort: „Ich bin der Meinung, wenn ein Kind so ist wie Shay, das geistig und körperlich behindert zur Welt kommt, dann entsteht die Möglichkeit, wahre menschliche Natur in die Tat umzusetzen, und es liegt nur daran, wie die Menschen dieses Kind behandeln.“

Dann erzählte er die folgende Geschichte:
Shay und ich waren einmal an einem Park vorbeigekommen, in dem einige Jungen, die Shay kannte, Baseball spielten. Shay fragte: „Glaubst du, sie lassen mich mitspielen?“

Ich wusste, dass die meisten der Jungen jemanden wie Shay nicht in ihrer Mannschaft haben wollten, aber als Vater war mir auch Folgendes klar: Wenn mein Sohn mitspielen durfte, dann würde dies ihm ein Dazugehörigkeitsgefühl geben, nach dem er sich so sehr sehnte, und auch die Zuversicht, trotz seiner Behinderung von anderen akzeptiert zu werden. Ich ging also zu einem der Jungen auf dem Spielfeld und fragte, ohne allzu viel zu erwarten, ob Shay mitspielen könne.

Der Junge schaute sich hilfesuchend um und sagte: „Wir haben schon sechs Runden verloren und das Spiel ist gerade beim achten Inning. Ich glaube schon, dass er mitspielen kann. Wir werden versuchen, ihn dann beim neunten Inning an den Schläger kommen zu lassen.“

Shay kämpfte sich nach drüben zur Bank der Mannschaft und zog sich mit einem breiten Grinsen ein Trikot des Teams an. Ich schaute mit Tränen in den Augen und Wärme im Herzen zu.

Die Jungen sahen, wie ich mich freute, weil mein Sohn mitspielen durfte.

Am Ende des achten Innings hatte Shays Team ein paar Runden gewonnen, lag aber immer noch um drei im Rückstand. Mitten im neunten Inning zog sich Shay den Handschuh an und spielte im rechten Feld mit. Auch wenn keine Schläge in seine Richtung gelangten, war er doch begeistert, dass er mit dabei sein durfte, und grinste bis zu beiden Ohren, als ich ihm von der Tribüne aus zuwinkte.

Am Ende des neunten Innings holte Shays Mannschaft noch einen Punkt. In der jetzigen Ausgangslage war der nächste Run ein potenzieller Siegesrun, und Shay kam als Nächster an die Reihe.

Würden sie in diesem Moment Shay den Schläger überlassen und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen, aufs Spiel setzen? Überraschenderweise bekam Shay den Schläger. Jeder wusste, dass ein Treffer so gut wie unmöglich war, denn Shay wusste nicht einmal, wie er den Schläger richtig halten sollte, geschweige denn, wie er den Ball schlagen sollte.

Als Shay allerdings an den Abschlagpunkt trat, merkte der Pitcher, dass die gegnerische Mannschaft in diesem Moment nicht gerade auf den Sieg aus zu sein schien, und warf den Ball so vorsichtig, dass Shay ihn wenigstens treffen konnte.

Beim ersten Pitch schwankte Shay etwas unbeholfen zur Seite und schlug vorbei. Der Pitcher ging wieder ein paar Schritte nach vorn und warf den Ball vorsichtig in Shays Richtung.

Als der Pitch hereinkam, hechtete Shay zum Ball und schlug ihn tief nach unten gezogen zurück zum Pitcher. Das Spiel wäre nun gleich zu Ende. Der Pitcher nahm den tiefen Ball auf und hätte ihn ohne Anstrengung zum ersten Baseman werfen können. Shay wäre dann rausgeflogen, und das Spiel wäre beendet gewesen.

Aber stattdessen warf der Pitcher den Ball über den Kopf des ersten Basemans und außer Reichweite der anderen Spieler. Von der Tribüne und von beiden Teams schallte es: „Shay lauf los! Lauf los!“

Noch nie im Leben war Shay so weit gelaufen, aber er schaffte er bis First Base. Mit weit aufgerissenen Augen und etwas verwundert hetzte er die Grundlinie entlang. Alle schrien: „Lauf weiter, lauf weiter!“ Shay holte tief Atem und lief unbeholfen, aber voller Stolz weiter, um ans Ziel zu gelangen.

Als Shay um die Ecke zur zweiten Basis bog, hatte der rechte Feldspieler den Ball … er war der kleinste Junge im Team, der jetzt seine erste Chance hatte, zum Held seines Teams zu werden.

Er hätte den Ball dem zweiten Baseman zuwerfen können, aber er hatte verstanden, was der Pitcher vorhatte, und so warf er den Ball absichtlich ganz hoch und weit über den Kopf des dritten Basemans. Also rannte Shay wie im Delirium zur dritten Basis, während die Läufer vor ihm die Stationen bis nach Hause umrundeten.

Alle schrien nun: „Shay, Shay, Shay, lauf weiter, lauf weiter“

Shay erreichte die dritte Basis, weil der gegnerische Shortstop ihm zur Hilfe gelaufen kam und ihn in die richtige Richtung der dritten Basis gedreht und gerufen hatte: „Lauf zur dritten!“ – „Shay, lauf zur dritten!“

Als Shay die dritte Basis geschafft hatte, waren alle Spieler beider Teams und die Zuschauer auf den Beinen und riefen: „Shay, lauf nach Hause! Lauf nach Hause!“

Shay lief nach Hause, trat auf die Platte und wurde als Held des Tages gefeiert, der den Grand Slam erreicht und den Sieg für seine Mannschaft davongetragen hatte.

„An diesem Tag“, so sagte der Vater, während ihm die Tränen übers Gesicht liefen, „brachten die Spieler von beiden Mannschaften ein Stück wahrer Liebe und Menschlichkeit in Shays Welt.“

Shay erlebte keinen weiteren Sommer mehr. Er starb im folgenden Winter und hatte nie vergessen, wie es war, ein Held zu sein und mich so glücklich gemacht zu haben und zu sehen, wie die Mutter ihren kleinen Helden unter Tränen umarmte, als er nach Hause kam!“

Author:

Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

4 thoughts on “Shay”

  • keine ahnung, ob irgendwer diese geschichte gelesen hat, ob sie irgendjemanden berührt hat, aber vielleicht wird irgendwer ein bißchen verstehen, warum meine frau und ich jedes jahr den dritten sonntag im juni in wien verbringen… ja, die toy-run…

    nun, zuerst mal der link: http://www.toyrun.at

    dann der hinweis, daß dort unter anderem auch briefe, karten und so von den kindern und den betreuern abgelegt sind, die ihr lesen könnt…

    und dann der rest…

    motorräder haben ihre eigene faszination. chromblitzende, donnernde ungeheuer auf zwei rädern, kreissägenrabbatzproduzierende, papageienbunte plastikbomber, dazwischen scheinbar unfahrbahre dreirädrige ungetüme, drauf oft genug schwarzberockte oder zuckerlbunte typen, oftmals mit grimmig wettergegerbtem gesicht, typen, vor denen man unweigerlich irgendwo doch abstand zu halten sucht… all das und der ganze mythos der gesetzlosigkeit, der wilden freiheit, der unzähmbarkeit… all das und die dazugehörige atmosphäre, das ergibt einen ganz eigenen reiz, der auf der einen seite anziehend und auf der anderen seite furchteinflößend wirken kann…
    doch an einem tag im jahr da ist alles plötzlich ganz anders…
    egal, ob das sich nun toy-run oder joy-ride oder wie auch immer nennt, dieser tag steht einfach im zeichen der kinder! und da gibt es weder colour noch clubzugehörigkeit noch irgendwas in sachen „wer hat das schönste/lauteste/schnellste motorrad“, nein, da gibt es einfach nur kinder…
    die ganzen wilden hunde, ihre frauen, alle treffen sich und fahren gemeinsam zu einem treffpunkt mit den kindern, feiern mit den kindern ein fest, fühlen sich als lang erwartete freunde und liebevoll empfangene gäste…
    doch, wie kommt es dazu?
    kinderheime, kinderdörfer, sozialeinrichtungen, das sorgt doch alles für die kinder, oder nicht?
    nun, klar sorgen diese alle für die kinder, aber wie? und vor allem wie weit für die kinder? denn die öffentlichen mittel sind begrenzt, alles geht, soweit möglich, ins körperliche und gesundheitliche wohl der kinder, aber was ist mit den herzen der kinder? wer sorgt sich um das strahlen in den augen? und ist alles wirklich nur aufgabe der betreuer?
    oder ist das vielleicht auch ein teil unserer aufgabe? sind nicht wir diejenigen, die dazu da sind, in die augen eines jeden kindes ein strahlen zu bringen?
    und genau da liegt der grund: bring einmal die augen eines kindes, auch wenn du es vorher noch nie gesehen hast, zum leuchten und strahlen, nur weil du mit einigen anderen einen tag im jahr zeit für andere aufbringst, dann wird dich dieses strahlen ein leben lang begleiten…
    könnt ihr euch vorstellen, wie für uns das gefühl ist, nach dem abstellen der bikes durch eine gasse von kindern geleitet, von jedem auf eigenen wunsch hin persönlich begrüßt, an einem fest teil zu haben, das nicht durch perfektion oder vielfalt oder kommerz, sondern nur durch herzlichkeit zu einem der schönsten feste wird?
    und dann siehst du auch die wahren helden des alltags, die organisatoren und helfer… unscheinbar und etwas müde, aber glücklich lächelnd ob der kinderaugen…

    das ist dann ein moment, wo kinder wie „shay“ in uns weiter leben… und real werden, auch wenn sie vielleicht nur eine fiktion waren… aber in solchen momenten werden die beiden teams, shay und die zuseher und fans realität, viel mehr als wir glauben können…

    danke, und die linke zum gruß!

  • Die Geschichte wurde bislang von mir nicht kommentiert, da sie eigentlich keine weiteren Worte benötigt und mich persönlich berührt hat. Und ich muss sagen, ich bewundere jeden Menschen, der sich die Zeit nimmt um anderen Menschen eine Freude zu machen;

    Denn es ist genau dieses Lächeln, das man zurückbekommt, das man nie wieder vergisst.

  • Ich kann dazu nur sagen, dass Kinder oft viel toleranter sind, als wir Erwachsenen. Ich sehe das fast täglich. Mich fasziniert es auch immer, bei den Spezial Olympics zu zu sehen und auch die Kinder zu erleben, wenn sie für ihre Leistungen geehrt werden. Sie erzählen dann das ganze Jahr über von diesem einen Ereignis und wenn sie auch sonst kein Zeitgefühl besitzen, daran können sie sich immer erinnern, an wievielen Spezials sie teilgenommen haben und welche Sportart sie dafür trainiert haben.
    Leider gibt es oft zu wenig Menschen, die dies unterstützen und auch all jene, die dafür sorgen, dass solche Events organisiert werden oder selber organisieren, bekommen dafür leider viel zu oft viel zu wenig Anerkennung von den „gesunden“, „normalen“ Leuten.

  • ich weiß nicht, ob’s da einer anerkennung bedarf oder ob eine gewünscht oder erhofft wird, vielmehr, da bin ich mir sicher, geht’s dabei einfach nur um’s tun, etwas gemeinsam mit anderen tun, damit eben irgendwer einmal lächeln kann…

    ein lächeln wärmt mehr als alle arten der anerkennung zusammen!

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