aus dem tagebuch eines alten bikers 12

irgendwann trifft es jeden von uns… manche sogar mehrmals in einer saison, andere wiederum wie bei einem schaltjahr, aber den großteil von uns bikern trifft es einmal im jahr: das edle schlachtroß braucht neue reifen!

mittlerweilen dank dem internet kann man sich ja schon im vorfeld informationen und schlaue tips bezüglich reifenwahl, händler und montagetips für die selberschrauber holen und zusätzlich bekommt man im bereich „fehler, die man nicht machen sollte“ schon vorher tips, welche fehler man vermeiden sollte, weil sie andere schon vor einem gemacht haben…

naja, das ist alles gut und schön, hilft in vielen fällen… nur besonders hartnäckige intellenzbestien (so wie meiner einer!) denken dann an all die zuvor bekommenen tips und informationen und sonstige ratschläge, schließlich will man ja nicht den fehler anderer selber auch noch machen… man(n) kann sich’s ja ersparen, jetzt, wo man(n) sie schon kennt… oder?

nagut, also mal dezent an den reifenhändler meines vertrauens eine anfrage wegen der besten reifen für eine 15’er wing gestellt, mit dem hinweis, daß vorne und hinten neu zu besohlen ist… und auf eine antwort gewartet…

antwort da, preis passt, also nach der arbeit zu ihm hin und reifen bestellt… sein angebot: wennst selber mit schraubst, weil ja bei deinem untier so viel zu schrauben ist, dann kommt dich die montage billiger! no, das ist ein wort, vor allem, als novize willst ja dein bike sowieso mal näher kennen lernen und wenn der eine monteur schon eine schulung auf einer 18’er bekommen hat, dann dürfte das ganze unternehmen wohl nicht so gewaltig werden, oder?

tja, die reifen sind nun angekommen, rasch ist ein montagetermin vereinbart und dann ist er auch da, der tag des neuen profils!

aber irgendwie scheint sich die ganze welt gegen mich verschworen zu haben: morgens schüttet es schon wie aus eimern und in der kompletten montur wollte ich nicht hin, sondern ich dachte da eher an arbeitsklamotten… und jetzt drüber auch noch die regenkombi? und dann am nassen bike schrauben? muß das wirklich sein?

es muß, denn nur mehr noch profilerinnerungsfurchen sind in der aktuellen regenzeit auf jeden fall nicht besonders gesundheitsfördernd… und in eine routinekontrolle sollte ich sowieso nimmer kommen! also, augen zu (okay, eigentlich das visier…) und durch…

okay, also dann rein in den ganzkörperpräservativ… (warum muß ich bloß an „safer s**“ denken???) und ab ins sauwetter…

gut, ich werde schon erwartet, klar, ich versuche natürlich pünktlich zu sein, und das wissen die jungs dort schon seit jahren und damit ist natürlich angenehmer, sich die zeit einzuteilen… und dann kommt schon mal die erste hürde: ich zwergeuropäer soll das dickschiff, wo ich grad mit müh‘ und not halbwegs standsicher zum boden runter komm, auf die hebenbühne fahren! und die ist gut 10 cm höher als die umgebung!!! und die plateau-schuhe stehen nach wie vor beim händler…

hätt‘ ich nur der oma gehorcht und brav knödel gefuttert… wurscht, alles jammern hilft nix, ich muß rauf! die jungs legen schnell paletten hin, damit der zwerg stehen kann und sichern mich rinks und lechts… und dann sind wir oben, das dickschiff und der zwerg…

die dicke wird zur sicherheit niedergebunden… vorne und dann geht’s ab nach oben… und wie sich die hebebühne verdächtig zur seite neigt… eine halbe tonne last rechts und links grad mal ein becher kaffee… der perfekte ausgleich! wurscht, es funzt und die dicke trohnt in griffhöhe vor mir…

flugs bekomme ich vermutlich benötigtes werkzeug und dann auf kommando schrauben, was das zeug her gibt… und suchen und tasten, wo noch überall schrauben versteckt sein könnten… jedenfalls, nach einer halben stunde sind alle schrauben gefunden, entfernt und keiner dabei verloren und der linke koffer („arschbacke“ klingt doch ein wenig zu vulgär, vor allem, wo doch an der 15’er keine einzige weiblich-sanfte rundung, sondern nur barocke kanten zu finden sind!) ist demontiert, jetzt sind die beiden tröten dran…

sind ja in summe nur sechs schrauben, sofern keine bricht oder verloren geht…

nur, nach einer stunde sind die zwei verdammten tröten immer noch dran am bock! ja, gibt’s denn sowas? wie haben die vorher die reifen gewechselt? die müssen doch irgendwie runter gehen…

nun, mit sanfter, aber roher gewalt und viel handwerklichem geschick des monteurs sind nach gut anderthalb stunden arbeit die zwei chromtröten auch abmontiert, jetzt geht’s ans eingemachte!

und kurze zeit später ist der olle grazer wieder am montieren des koffers, das bike ist vorne abgestützt und damit kann gefahrlos das vorderrad ausgebaut werden… also schrauben wir mal wieder, sollte ja jetzt leichter gehen und, nur eines nicht vergessen: der anfängerfehler mit dem vergessenen seilzug von der zentralverriegelung!

nein, den hab ich brav durchgefädelt… und weiter geht’s mit der montage… bis zuletzt alle abdeckungen fein säuberlich montiert sind und ich den deckel schließen will… klack… und offen ist er wieder!

verflixt und zugenäht, das gibt’s doch nicht… was ist denn jetzt schon wieder? ungeduldig begutachte ich die verriegelung… und den seilzug und…

mist! die kabeltülle ist nicht durchgeführt und eingehängt!

sh**!!!

so ein trottel aber auch, den seilzug nicht vergessen, aber die tülle wird nirgends erwähnt! und was ist? ich trottel denke zwar an den zug, aber die tülle ist vergessen!

na gut… hilft nix, wurscht, also alles wieder runter, einfädeln, einhängen und anknubbeln und reinpfriemeln und dann wieder anschrauben und…

tja… und dann grinsend eingestehen, den eigentlichen anfängerfehler durch einen anderen anfängerfehler ersetzt zu haben…

jaja, und die moral von der geschicht? ersetze einen fehler durch andere nicht!

Author:

Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

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