Messestress und seine Folgen…

Messe… Wo bitte soll denn da Stress sein? Klar, wenn man eine Messe besucht, wird man auch nie erkennen können, was da im Hintergrund los ist…

Das beginnt schon mal bei der Messeplanung, wer hat wann wie Standdienst, welche Funktion soll er dort haben, wie lange soll er dort bleiben… alles Fragen, die selten rechtzeitig beantwortet werden und dann noch meißt von jenen, die vom Betroffenen und seiner „normalen Arbeit“ keine Ahnung haben. Auszubaden hat das alles dann die Assistentin, die dann die vorgegebenen Pläne so hindrehen „darf“, daß auch das Ganze irgendwie Hand und Fuß bekommt…

Die nächste Frage ist, was will man denn ausstellen und vor allem, was will man damit auch sagen? Und vor allem, wer schraubt denn das ganze Gedöns zusammen und belebt es dann mittels Saftware???

Tja, sobald auch noch diese Frage geklärt ist, wird irgend jemand zum Projektleiter bestellt. Okay, der Projektleiter ist bestellt, jetzt muß nur noch jemand gefunden werden, der dem Armen auch mal erklärt, worum es geht und welche Probleme bereits im Anmarsch sind… und welche sich vermutlich noch irgendwo versteckt halten…

Dann geht’s los: planlos und vor allem systemlos werden mal überstürzt irgendwelche Trümmer bestellt, von denen man meint, man könne sie brauchen…

Irgendjemand beginnt dann, einen Plan zu malen, der künstlerisch sicher sehr wertvoll ist, aber ob er auch irgendwelchen physikalischen Grundgesetzen zur Genüge reicht, na, wer will denn das schon wissen? Und vor allem, kann man das Gerümpel auch ohne Knochenbrüche bauen? Wir werden ja sehen, wie… und ob…

Knapp vor Messebeginn kommt dann mal die Hardware zusammen, manche Trümmer erst in den letzten Minuten als Prototyp aus der Entwicklung, daß sie auch funktionsfähig sein sollten, hat so nebenbei vor allem der Projektleiter, mittlerweilen auch als „Projectmanager“ tituliert, vergessen zu erwähnen…

Zubehörteile verweigern den Dienst, Zubehörbedienungssoftware ebenfalls und die Zubehörbedienenden verweigern mittlerweilen Auskünfte über so Sachen wie Gemütszustände, Geisteszustände, Zurechnungsfähigkeit und Affektsituation, die perfekte Basis für einen gerichtlich nicht verfolgbaren Mord im Affekt, ein Freispruch ist garantiert…

Und die Messe wird nicht verschoben, kein Erdbeben, kein Tsunami, keine Mure, nichts im knallebenenen, staubtrockenen Mittelbayern sorgt für einen Terminaufschub…

Nerven liegen blanker als Straßenbahnschienen nach einer Vollbremsung…

Die Beißschwelle sinkt wie bei einem Dobermann mit zunehmendem Alter…

Die Haarfarbe wechselt von Blondinenblond über Griesgrambraun zu Friedhofsblond, der Friseur scheint dem Franziskanerorden anzugehören, jedenfalls zeigt das die Spiegelplatte am Hinterhaupt…

Raumkosmetiker machen einen großen Bogen wegen blanker Starkstromleitungen um den Schreibtisch, die Leitungen verkriechen sich unter elektrostatisch angezogenem Lurch (Staubwürste in relativ komprimierter Form mangels Anglizismen einfach als „Lurch“ bezeichnet…) und die Tischplatte kann maximal erahnt werden, sofern sie nicht mittlerweilen jemand geklaut und wegen der niedrigen Außentemperaturen als Brennholz weiterverwertet hat…

Nächtens wird geschraubt, gesägt, gebohrt und gehämmert, tagsüber geflucht und geschnarcht, die Spacebar hinterläßt tiefe Eindrücke auf der Stirn des Saftwarenentwicklers…

Die letzte Beruhigungstablette verschwindet im Rachen, der Projectmanager verwandelt sich in den vor allem in Wien berühmten Watschenmann und kassiert so gut wie jeden verbalen Gemütsausbruch…

Der Psychotherapeut verweigert ohne Gefahrenzuschlag und Bodyguard nächtliche Therapiesitzungen…

Der Abreisetag steht da, eiligst wird alles zum Überleben benötigte inklusive dem schwarzen Traueranzug eingepackt, das Messeexponat wurde gerade noch fertig gestellt und bewegt sich wider erwarten sogar…

Der Projectmanager bekommt wieder menschliche Züge, man bemitleidet ihn sogar, da er nun mit einem hyperschnellen Firmenbüssle das Exponat eigenhändig zur Messe chauffieren darf, man redet mittlerweilen auch wieder übers Wetter mit ihm…

Die Autobahn wird zur temporären Wahlheimat erkoren, der Kollege am Steuer hat den Heiligenstatus auch ohne Papst und das Hotelbett erscheint wie ein unerkanntes Land.

Geschlossene Augen sind eine wahre Wohltat.

Im Messebauer erkennt man einen Leidensgenossen, entsprechend freundschaftlich begrüßt man sich, entsprechend hoch ist das aktuell vorhandene Aggressionspotential und alles, was nur kann, geht natürlich auch schief…

Elektriker mit totalitärem, oberbayrischen Dialekt werden als Aliens erkannt…

Irgendwie steht grad noch termingerecht der ganze Messeaufbau, da naht in Form eines Vertriebsmitarbeiters der drohende Weltuntergang, der drohende Mord im Affekt wird im Geiste bereits durchgeführt…

Selbst ein Plastiklöffel vom Imbissstand wird zu einer todbringenden Hieb-, Stich- und Schußwaffe, vor allem weil der Vertriebskollege ein Saftwareupdate macht, welches alle Mühen zunichte machen…

Vertriebler sterben leise…

…und passen gut in das Szenario einer Saftwareschlacht…

 …und versauen den schönen Teppich!

Man steckt den Löffel wieder ein… und bedient sich am Großkarton mit den Beruhigungsspritzen…

Und dann sage noch einmal einer, Messe wär kein Stress…

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Im Herzen ein Motorradfahrer, der Zeit seines Lebens sich immer mit Motorrädern, ihren Fahrern und ihrem Denken auseinandergesetzt hat, frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Entsprechend ist auch der Lebensinhalt ausgerichtet: Morgens schon als erstes die Goldwing im Sinn, dabei nicht alleine, denn auch meine Frau ist vom selben Schlag, eine Bikerin durch und durch...

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