{"id":903,"date":"2009-01-20T06:13:46","date_gmt":"2009-01-20T05:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/my.stargazer.at\/?p=903"},"modified":"2009-01-19T13:46:33","modified_gmt":"2009-01-19T12:46:33","slug":"shay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/2009\/01\/20\/shay\/","title":{"rendered":"Shay"},"content":{"rendered":"<p>Diese Geschichte bekam ich heut morgen von einem Freund per Mail zugesandt&#8230; eigentlich nichts besonderes, eine kleine Geschichte eben&#8230; aber irgendwie doch anders&#8230;<\/p>\n<p>Diese Geschichte, nun, egal, ob real geschehen oder nur Fiktion, sie zeigt eines, das vielleicht f\u00fcr uns &#8222;Erwachsene&#8220; doch ein Denkansto\u00df\u00a0von unseren Kindern kommen k\u00f6nnte, wir m\u00fc\u00dften es ihnen vielleicht nur ein bi\u00dfchen vorleben&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;und als Ansatz, vielleicht auch einem oder mehreren Kindern ein L\u00e4cheln ins Gesicht zu zaubern, m\u00f6chte ich in einem Zug an die Toy-Run 2009 in Wien, SCS, am 21. Juni 2009 und an den Joy-Ride am 6. Juni in Lustenau erinnern&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->Und hier nun die Geschichte:<\/p>\n<p>Bei einem Wohlt\u00e4tigkeitsessen zugunsten von Sch\u00fclern mit Lernschwierigkeiten hielt der Vater eines der Kinder eine Rede, die so schnell keiner der Anwesen den vergessen wird. <\/p>\n<p>Nachdem er die Schule und ihre Mitarbeiter in h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt hatte, stellte er folgende Frage: &#8222;Wenn keine st\u00f6renden \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcsse zum Tragen kommen, ger\u00e4t alles, was die Natur anpackt, zur Perfektion. Aber mein Sohn Shay ist nicht so lernf\u00e4hig wie andere Kinder. Er ist nicht in der Lage, die Dinge so zu verstehen wie andere Kinder. Wo ist die nat\u00fcrliche Ordnung der Dinge bei meinem Sohn?&#8220;<\/p>\n<p>Das Publikum war angesichts dieser Frage vollkommen stumm.<br \/>\nDer Vater fuhr fort: &#8222;Ich bin der Meinung, wenn ein Kind so ist wie Shay, das geistig und k\u00f6rperlich behindert zur Welt kommt, dann entsteht die M\u00f6glichkeit, wahre menschliche Natur in die Tat umzusetzen, und es liegt nur daran, wie die Menschen dieses Kind behandeln.&#8220;<\/p>\n<p>Dann erz\u00e4hlte er die folgende Geschichte:<br \/>\nShay und ich waren einmal an einem Park vorbeigekommen, in dem einige Jungen, die Shay kannte, Baseball spielten. Shay fragte: &#8222;Glaubst du, sie lassen mich mitspielen?&#8220; <\/p>\n<p>Ich wusste, dass die meisten der Jungen jemanden wie Shay nicht in ihrer Mannschaft haben wollten, aber als Vater war mir auch Folgendes klar: Wenn mein Sohn mitspielen durfte, dann w\u00fcrde dies ihm ein Dazugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl geben, nach dem er sich so sehr sehnte, und auch die Zuversicht, trotz seiner Behinderung von anderen akzeptiert zu werden. Ich ging also zu einem der Jungen auf dem Spielfeld und fragte, ohne allzu viel zu erwarten, ob Shay mitspielen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Der Junge schaute sich hilfesuchend um und sagte: &#8222;Wir haben schon sechs Runden verloren und das Spiel ist gerade beim achten Inning. Ich glaube schon, dass er mitspielen kann. Wir werden versuchen, ihn dann beim neunten Inning an den Schl\u00e4ger kommen zu lassen.&#8220; <\/p>\n<p>Shay k\u00e4mpfte sich nach dr\u00fcben zur Bank der Mannschaft und zog sich mit einem breiten Grinsen ein Trikot des Teams an. Ich schaute mit Tr\u00e4nen in den Augen und W\u00e4rme im Herzen zu.<\/p>\n<p>Die Jungen sahen, wie ich mich freute, weil mein Sohn mitspielen durfte. <\/p>\n<p>Am Ende des achten Innings hatte Shays Team ein paar Runden gewonnen, lag aber immer noch um drei im R\u00fcckstand. Mitten im neunten Inning zog sich Shay den Handschuh an und spielte im rechten Feld mit. Auch wenn keine Schl\u00e4ge in seine Richtung gelangten, war er doch begeistert, dass er mit dabei sein durfte, und grinste bis zu beiden Ohren, als ich ihm von der Trib\u00fcne aus zuwinkte. <\/p>\n<p>Am Ende des neunten Innings holte Shays Mannschaft noch einen Punkt. In der jetzigen Ausgangslage war der n\u00e4chste Run ein potenzieller Siegesrun, und Shay kam als N\u00e4chster an die Reihe. <\/p>\n<p>W\u00fcrden sie in diesem Moment Shay den Schl\u00e4ger \u00fcberlassen und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen, aufs Spiel setzen? \u00dcberraschenderweise bekam Shay den Schl\u00e4ger. Jeder wusste, dass ein Treffer so gut wie unm\u00f6glich war, denn Shay wusste nicht einmal, wie er den Schl\u00e4ger richtig halten sollte, geschweige denn, wie er den Ball schlagen sollte.<\/p>\n<p>Als Shay allerdings an den Abschlagpunkt trat, merkte der Pitcher, dass die gegnerische Mannschaft in diesem Moment nicht gerade auf den Sieg aus zu sein schien, und warf den Ball so vorsichtig, dass Shay ihn wenigstens treffen konnte.<\/p>\n<p>Beim ersten Pitch schwankte Shay etwas unbeholfen zur Seite und schlug vorbei. Der Pitcher ging wieder ein paar Schritte nach vorn und warf den Ball vorsichtig in Shays Richtung.<\/p>\n<p>Als der Pitch hereinkam, hechtete Shay zum Ball und schlug ihn tief nach unten gezogen zur\u00fcck zum Pitcher. Das Spiel w\u00e4re nun gleich zu Ende. Der Pitcher nahm den tiefen Ball auf und h\u00e4tte ihn ohne Anstrengung zum ersten Baseman werfen k\u00f6nnen. Shay w\u00e4re dann rausgeflogen, und das Spiel w\u00e4re beendet gewesen. <\/p>\n<p>Aber stattdessen warf der Pitcher den Ball \u00fcber den Kopf des ersten Basemans und au\u00dfer Reichweite der anderen Spieler. Von der Trib\u00fcne und von beiden Teams schallte es: &#8222;Shay lauf los! Lauf los!&#8220;<\/p>\n<p>Noch nie im Leben war Shay so weit gelaufen, aber er schaffte er bis First Base. Mit weit aufgerissenen Augen und etwas verwundert hetzte er die Grundlinie entlang. Alle schrien: &#8222;Lauf weiter, lauf weiter!&#8220; Shay holte tief Atem und lief unbeholfen, aber voller Stolz weiter, um ans Ziel zu gelangen.<\/p>\n<p>Als Shay um die Ecke zur zweiten Basis bog, hatte der rechte Feldspieler den Ball &#8230; er war der kleinste Junge im Team, der jetzt seine erste Chance hatte, zum Held seines Teams zu werden.<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte den Ball dem zweiten Baseman zuwerfen k\u00f6nnen, aber er hatte verstanden, was der Pitcher vorhatte, und so warf er den Ball absichtlich ganz hoch und weit \u00fcber den Kopf des dritten Basemans. Also rannte Shay wie im Delirium zur dritten Basis, w\u00e4hrend die L\u00e4ufer vor ihm die Stationen bis nach Hause umrundeten.<\/p>\n<p>Alle schrien nun: &#8222;Shay, Shay, Shay, lauf weiter, lauf weiter&#8220;<\/p>\n<p>Shay erreichte die dritte Basis, weil der gegnerische Shortstop ihm zur Hilfe gelaufen kam und ihn in die richtige Richtung der dritten Basis gedreht und gerufen hatte: &#8222;Lauf zur dritten!&#8220; &#8211; &#8222;Shay, lauf zur dritten!&#8220; <\/p>\n<p>Als Shay die dritte Basis geschafft hatte, waren alle Spieler beider Teams und die Zuschauer auf den Beinen und riefen: &#8222;Shay, lauf nach Hause! Lauf nach Hause!&#8220; <\/p>\n<p>Shay lief nach Hause, trat auf die Platte und wurde als Held des Tages gefeiert, der den Grand Slam erreicht und den Sieg f\u00fcr seine Mannschaft davongetragen hatte.<\/p>\n<p>&#8222;An diesem Tag&#8220;, so sagte der Vater, w\u00e4hrend ihm die Tr\u00e4nen \u00fcbers Gesicht liefen, &#8222;brachten die Spieler von beiden Mannschaften ein St\u00fcck wahrer Liebe und Menschlichkeit in Shays Welt.&#8220; <\/p>\n<p>Shay erlebte keinen weiteren Sommer mehr. Er starb im folgenden Winter und hatte nie vergessen, wie es war, ein Held zu sein und mich so gl\u00fccklich gemacht zu haben und zu sehen, wie die Mutter ihren kleinen Helden unter Tr\u00e4nen umarmte, als er nach Hause kam!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte bekam ich heut morgen von einem Freund per Mail zugesandt&#8230; eigentlich nichts besonderes, eine kleine Geschichte eben&#8230; aber irgendwie doch anders&#8230; Diese Geschichte, nun, egal, ob real geschehen oder nur Fiktion, sie zeigt eines, das vielleicht f\u00fcr uns &#8222;Erwachsene&#8220; doch ein Denkansto\u00df\u00a0von unseren Kindern kommen k\u00f6nnte, wir m\u00fc\u00dften es ihnen vielleicht nur ein bi\u00dfchen vorleben&#8230; &#8230;und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[177],"tags":[],"class_list":["post-903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-guest-writings"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}