{"id":50,"date":"2006-04-27T08:21:04","date_gmt":"2006-04-27T06:21:04","guid":{"rendered":"http:\/\/my.stargazer.at\/?p=50"},"modified":"2006-04-27T08:21:04","modified_gmt":"2006-04-27T06:21:04","slug":"deutsche-wertarbeit-vs-reiskocher-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/2006\/04\/27\/deutsche-wertarbeit-vs-reiskocher-10\/","title":{"rendered":"Deutsche Wertarbeit vs Reiskocher 1.0"},"content":{"rendered":"<p>Ein Reisebericht unseres &#8218;Grazers&#8216; und seine Erfahrungen mit einem Auto oder &#8222;Seid nett zu euren Mitarbeitern, denn sie suchen euren Mietwagen aus&#8220;<\/p>\n<p>Der Reisebericht eines (unseren) Grazers, mit dem Hinweis dass ein Leidensweg auch eine Wegstrecke sein kann:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p> Tja, ich geb&#8217;s ja offen und ehrlich zu, bevor ich freiwillig und aus eigenem Antrieb so eine Motorkutsche aus dem Hause VW-Audi zu Fortbewegungszwecken verwende, ziehe ich die Neuanschaffung eines geeigneten Schuhwerks vor.<\/p>\n<p>Woher diese aversion kommt? Nun, da sind einmal die &#8222;Bastler&#8220;, die Tonnen von Euronen in eine alte Blechkiste stecken, um sie so umzugestalten, da\u00df nicht einmal ein blinder T\u00dcV-Beamter mit zudr\u00fccken aller Seh- und H\u00fchneraugen eine Bewegungserlaubnis mit eigenem Antrieb auf \u00f6ffentlichem Fortbewegungsgel\u00e4nde zu gestatten, zum Anderen sind da die ewig-links-schlafenden Halbpensionisten, die besser Golf spielen als fahren sollten, und dann sind da nicht zu vergessen die Besitzer jener VW P(r)olo, deren Bodenabstand in den bereich der Tierqu\u00e4lerei f\u00e4llt, weil sie beim \u00fcberfahren jedwede Ameisenart k\u00f6pfen&#8230;<\/p>\n<p>Ach ja, und die silbergrau-blaugestreiften Dienstbastards der \u00f6ffentlichen Sicherheitsbeh\u00f6rde, die immer dann unterwegs sind, wenn sch\u00f6nes Wetter herrscht und die in siuzidgef\u00e4hrdeter Art und Weise uns Biker aus unseren Freiheitstr\u00e4umen auf zwei R\u00e4dern brutal raus rei\u00dfen&#8230;<\/p>\n<p>Nun gut, als ich zum ersten mal Lobges\u00e4nge auf den neuen VW Bastard zu lesen bekam, \u00fcberlgete ich, ob ich mich nicht doch mal von jahrelang best\u00e4tigten (vor)Urteilen l\u00f6sen sollte, aber aus Mangel an Gelegenheiten bedurfte es einer Realisierung dieser Wahnsinnsidee doch nicht. Bis gestern&#8230;<\/p>\n<p>Ich landete um 20.50 Uhr MEZ am Flughafen Z\u00fcrich-Kloten. Mein Abenteuer mit den eidgen\u00f6ssischen Eigenheiten nahm seinen Anfang, aber das ist eine andere Geschichte. Es sei nur kurz erw\u00e4hnt, da\u00df ich nach wie vor im Flughafen Z\u00fcrich-Kloten die Verwirklichung eines abschreckenden Beispieles eines militant gef\u00fchrten Nichtraucherflughafens mit reisendenunfreundlicher Architektur sehe&#8230;<\/p>\n<p>Nach immerhin einer halben Stunde, dem versuchten Totschlag einer etwas sonderbar anmutenden und auch so handelnden Informationsstandsbediensteten schaffte ich es schlu\u00dfendlich doch, den Mietwagenschalter zu erreichen, dem ebenfalls schwerst suizidgef\u00e4rhrdet handelndem Schreibtischt\u00e4ter die Schl\u00fcssel zu meinem Mietwagen und in weiterer Folge auch die Abstelldaten des betreffenden Reisemittels zu entlocken. Nach weiteren 20 Minuten war auch der Gesuchte, aber nicht gew\u00fcnschte Mietwagen gefunden: ein VW Bastard Variant TDI, nein, der Passat ist ein recht flotter Landwind&#8230; und wird nicht von VW produziert!<\/p>\n<p>F\u00fcr mich als ein in Bregenz lebender Grazer ist ein wiener Kennzeichen ja nicht unbedingt etwas Negatives, es beschert eher so etwas wie Narrenfreiheit, verst\u00e4rkt durch die Unf\u00e4higkeit, die hier gebr\u00e4uchliche Mountainlanguage fehlerfrei wiederzugeben&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;und Nachtblau st\u00f6rt ja n\u00e4chtens nicht&#8230;<\/p>\n<p>Der druck auf den mittleren Knopf des Schlie\u00dfklumpens (die Bezeichnung &#8222;Schl\u00fcssel&#8220; ist aufgrund der klobigen Auspr\u00e4gung des Schlie\u00df-und-\u00d6ffnungsger\u00e4tes deplaziert!) sollte in meinen laienhaften Augen die Heckklappe des \u00fcberlangen Asphaltgleiters \u00f6ffnen. Auch nach mehrmaligem Druck auf den Knopf wurde allerdings die \u00d6ffnung der Klappe verweigert. Auf manuellem Eingriff hingegen lie\u00df sich ein \u00f6ffnen jedoch erzwingen und gleichzeitig auch ein erster Irrtum bereinigt: ein VW ist kein Mercedes, bei dem die Klappe wirklich fernbedient ge\u00f6ffnet und nicht nur entriegelt werden kann!<\/p>\n<p>Das Ladegut war recht schnell verstaut, der Gep\u00e4ckwagen auch, allerdings nicht im gro\u00df anmutenden Heck des Kombis, denn daf\u00fcr ist es einfach zu klein geraten, der Stauraum ist nicht gerade \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel l\u00e4nger als der meines kompakt ausgef\u00fchrten, japanesischen Reiskochers, den man um ein Viertel des hier vorgefundenen Fahrzeugpreises erh\u00e4lt&#8230;<\/p>\n<p>Hinter dem zierlichen, airbagausgef\u00fcllten Steuerr\u00e4dchen einmal Platz genommen, kann man sofort die deutsche Gr\u00fcndlichkeit erfahren! Selbst nach dem zwanzigsten Einstellversuch des Fahrersitzes l\u00e4\u00dft sich keine ergonomisch zumutbare Sitzposition f\u00fcr euren Grazer finden, der ihm auch noch <strong>ungehinderten<\/strong> Blick auf die hinter dem Lenkrad verborgen angebrachten Fahrzeuginstrumente erlaubt&#8230;<\/p>\n<p>Nun sa\u00df ich da in diesem au\u00dfen ewig langem, innen beengend eingrenzend ausgef\u00fchrtem Fahrger\u00e4t. Irgendwie war mir aber das sitzen zu wenig, als echter und reinrassiger Grazer will man zur Vernichtung etwaiger (vor)urteile den Selbstbeweger (auto-mobile) ja auch bewegen, oder?<\/p>\n<p>Also machte ich mich auf die Suche nach einem wie bei anderen Fahrzeugen \u00fcblichen Metallteil am Schl\u00fcssel, in diesem Fall am Schlie\u00dfklumpen, doch da war nix! Na gut, man liest ja Zeitungen, Illustriterte und so und da gibt es ja derweilen den Trend, wie vor Siebzig Jahren rote Kn\u00f6pfe mit der Aufschrift &#8222;Start&#8220; einzubauen. Aber offensichtlich nicht bei VW. Damit war ein weiterer Irrtum bereinigt: Alle, ausgenommen VW, folgen allgemeinen Trends.<\/p>\n<p>Alles, was ich durch Tasten (sehen mit den Fingerspitzen, anm. d. redaktion) finden konnte, war ein sonderbar grobschl\u00e4chtig ausgeformter Schlitz im Amaturenbrett (als Amaturenlandschaft, wie so etwas von Motorjournalisten gerne bezeichnet wird, kann man diese eint\u00f6nige Plastikw\u00fcste wirklich nicht deklarieren!), aus der ich dann nach wenigen Minuten meinen Finger entfernt hatte und in den der Schlie\u00dfklumpen formschl\u00fcssig eingef\u00fchrt werden konnte.<\/p>\n<p>Abgesehen von ein paar nun aufleuchtenden, schon in der Fahrschule erkl\u00e4rten Meldeleuchten war aber keine \u00c4nderung festzustellen. Selbst der Ger\u00e4uschpegel war unver\u00e4ndert bei &#8222;0&#8220;. Und dort stand auch der Drehzahlmesser, soweit ich es durch Verrenkungen im Nacken feststellen konnte.<\/p>\n<p>Wieder tastete ich Ideen- und Ziellos das Amaturenbrett ab. Wieder hatte ich Gl\u00fcck! Durch unbeabsichtigtes ganz-rein-dr\u00fccken des Schlie\u00dfklumpens in die Schlie\u00dfklumpenhalterung \u00e4nderten sich schlagartig Ger\u00e4uschpegel und Drehzahl, LKW-\u00e4hnliches Vibrieren erf\u00fcllte das lieblos angeordnete Plastik mit so etwas \u00e4hnlichem wie Leben (als Biker spricht man nicht von &#8222;Klappern&#8220;&#8230;).<\/p>\n<p>Nach verlassen des Flughafens suchte ich so rasch als m\u00f6glich einen Parkplatz auf, um die aktuell unergonomische Sitzhaltung durch eine andere, ebenso unergonomische, aber nicht so schmerzhafte Sitzhaltung zu ersetzen, was mir auch beim zwanzigsten Versuch notd\u00fcrftig gelang.<\/p>\n<p>&#8230;und so gelangte ich gestern nacht heim nach bregenz. &#8211; und heute morgen nach Feldkirch ins B\u00fcro&#8230; ohne (vor)Urteile abzubauen, sondern sie noch zus\u00e4tzlich zu best\u00e4rken! Und zu guter letzte f\u00fcllte der VW Bastard Variant TDI die Akkus meines Herzschrittmachers noch unaufgefordert bis an die Selbstzerst\u00f6rungsgrenzen auf&#8230;<\/p>\n<p>Fazit: ein VW beschleunigt nicht wie japanesische Reiskocher durch \u00c4nderung der Drehzahl des Motors in einen h\u00f6heren Bereich, sondern durch Wechseln der Getriebe\u00fcbersetzung. Eines habe ich daraus auch noch gelernt: VW-Audi bauen Fahrzeuge, die weder Japaner noch Koreaner freiwillig kopieren werden&#8230; und euer Grazer wird bis an sein Lebensende Reiskocher deutscher Wertarbeit vorziehen&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich w\u00fcnsche herzliches Beileid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Reisebericht unseres &#8218;Grazers&#8216; und seine Erfahrungen mit einem Auto oder &#8222;Seid nett zu euren Mitarbeitern, denn sie suchen euren Mietwagen aus&#8220; Der Reisebericht eines (unseren) Grazers, mit dem Hinweis dass ein Leidensweg auch eine Wegstrecke sein kann:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[177],"tags":[],"class_list":["post-50","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-guest-writings"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}