{"id":1252,"date":"2011-07-07T12:02:10","date_gmt":"2011-07-07T10:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/my.stargazer.at\/?p=1252"},"modified":"2011-07-07T12:06:39","modified_gmt":"2011-07-07T10:06:39","slug":"reiseimpressionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/2011\/07\/07\/reiseimpressionen\/","title":{"rendered":"Reiseimpressionen"},"content":{"rendered":"<p>der sechszylinder faucht den asphalt an, hinter mir br\u00fcllt eine e-glide ihren dumpfen bass in die landschaft, vermischt mit dem heiseren r\u00f6hren eines magna-v4&#8217;s und dem weiteren bass einer glide. irgendwie scheint es, als ob sich der asphalt aus angst an den berg schmiegt, dabei wollen wir gar nichts schlechtes, sondern einfach nur seine griffigkeit mit unseren bikes erfahren, und das im wahrsten sinn des wortes&#8230;<\/p>\n<p><!--more-->die sonne brennt das lochmuster der fingerlosen in meine haut, das reisegep\u00e4ck fest auf die wing geschnallt, doch irgendwie etwas mehr tr\u00e4gheit als sonst versp\u00fcrend, so schl\u00e4ngeln wir uns dem gewundenen asphaltband den berg entlang, jeder bewegung eine gegenbewegung folgend, rauf, runter, links, rechts, mit schwung, damit der kraftschlu\u00df am kardan bestehen bleibt und die bewegungen ihre eleganz behalten, ihre fl\u00fcssigkeit, ihre optische grazilit\u00e4t&#8230;<\/p>\n<p>immer der sonne entgegen, zumindest hat es so den anschein, wohin wir fahren, ist nicht wirklich wichtig, hauptsache, die fahrt macht allen freude! klar, wir haben ein ziel, doch der weg, der ist unklar, nicht wirklich festgelegt, eigentlich geht es immer der nase nach in die richtung, in der das ziel vermutet wird. und mit ein wenig gl\u00fcck k\u00f6nnten wir es auch erreichen, wenn nicht, kein problem, wir sind frei, richtig frei!<\/p>\n<p>irgendwie k\u00f6nnte das fahren eint\u00f6nig werden, doch das gegenteil tritt ein, mit jedem kilometer mehr steigt die freude am fahren! mal ein sanftes brummeln, wenn es aus der kehre heraus runter geht, dann wieder ein heiseres fauchen, wenn in der kehre ein anstieg erfolgt und nur mehr mit dezenter beschleunigung die senkrechte erreichbar scheint, gleichzeitig aber auch die verbindung zwischen den kehren m\u00f6glichst rasch hinter uns liegen soll, immer begleitet von den b\u00e4ssen der v-motoren hinter mir, soda\u00df der boxer eigentlich nur den fl\u00fcsteranteil der synfonie der motoren macht. sozusagen &#8222;musik liegt in der luft&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>hin und wieder ein metallisches kratzen, wenn entweder fu\u00dfrasten, trittbretter oder kr\u00fcmmer bodenkontakt bekommen, nur dezent unterbrochen vom jammern und trommeln der dunlops&#8230; frischer wind im gesicht, damit die sonne nicht so sp\u00fcrbar ist, dazu der geruch der freien landschaft und der k\u00fchle der berge und t\u00e4ler, alles in allem, genau so stellen wir uns den geruch der freiheit vor!<\/p>\n<p>nach gef\u00fchlten zwei stunden dezentes schl\u00e4ngeln auf 1500m oder mehr, keine ahnung, ist aber auch wurscht, kommt irgendwie der wunsch nach zumindest 500m gerade, nur um einmal ein wenig die arme aussch\u00fctteln zu k\u00f6nnen, oder eine kleine einbuchtung, an der man sich mal ein rauchopfer an den gott der tabakindustrie ins gesicht stecken k\u00f6nnte&#8230; im gegensatz zur landl\u00e4ufigen meinung, eine wing ist nicht unterkellert, hat weder einen whirlpool noch eine obenliegende mikrowelle oder einen elektrisch verstellbaren aschenbecher&#8230;<\/p>\n<p>eine andere impression: vor mir mein freund mit seiner eintopf-enduro, die beinahe trotzig ihr stakkato in den berg h\u00e4mmert, hinter mir die zwei glides, gefolgt von einer \u00e4lteren transe, die ebenfalls brav den berg hinauf klettert. die stra\u00dfe, sofern man das flickwerk so nennen mag, windet sich mit gepflasterten kehren, die noch dazu sehr eng und sehr bucklig sind, in haarnadelkurven den berg hinauf. rund 50 kehren sollen es sein, vielleicht auch mehr, keinesfalls jedoch weniger, wenn man den schildern vertraut. eng, bucklig, kurvig, innendurchmesser der kehren um die 2m, dazu das flickwerk im kopfsteinpflaster, gefolgt von br\u00fcchigem und nur notd\u00fcrftig ausgebesserten asphaltflecken, die die kehren verbinden. jeder meter hinauf f\u00fchlt sich an wie ein kleiner sieg, wobei ein sieg noch lange nicht den gewinn der schlacht bedeutet.<\/p>\n<p>gangwechsel bis hinunter in den ersten gang sind normal, vor allem in den rechtskehren, da ist die zweite zu lange und die wing beginnt wie eine bockige gams nach au\u00dfen zu springen, kurzfristig, wenn die verbindung l\u00e4nger ist und durch einen wald f\u00fchrt, darf es dann auch mal zur entspannung die dritte sein, doch dann folgt beinahe schlagartig wieder eine kehre, die wing um die kehre w\u00fcrgend, die beiden harley&#8217;s hinter mir k\u00e4mpfen auch, nur die zwei enduros, der eintopf vor mir und die transe am ende, die scheinen kaum m\u00fche zu haben, zumindest nicht mit den engen kurvenradien, daf\u00fcr aber mit den steigungen&#8230; der anblick der landschaft hingegen ist der lohn f\u00fcr die harte arbeit, wundersch\u00f6n breiten sich t\u00e4ler und w\u00e4lder im sonnenlicht aus, geben den gedanken den weg in unber\u00fchrte m\u00e4rchenlandschaften vor, gaukeln uns unber\u00fchrtheit und wildnis vor, dazwischen ein paar vertr\u00e4umte h\u00e4user, kl\u00f6ster und andere bauten, wie fremdk\u00f6rper von zivilisation zeugend&#8230;<\/p>\n<p>dann beinahe wie das tor in eine andere welt den h\u00f6chsten punkt \u00fcberschritten und in weit geschwungenen kurven auf wundersch\u00f6nem und beinahe jungfr\u00e4ulichem asphalt dem tal entgegen st\u00fcrzend, zur\u00fcck in die welt der eilgen menschen, nicht ahnend, welche sch\u00f6nheit sie umgibt&#8230; in sanften schw\u00fcngen gleiten wir zwischen felder, wiesen und w\u00e4ldern zur\u00fcck ins tal&#8230; sanft schnurrt der sechszylinder, vor mir das bollern des eintopfs und hinter mir das freundschaftliche donnern der v-motoren, und dazu saugt die landschaft meine blicke auf! ja, auch das ist eine form unserer freiheit! unsere freiheit, die es uns erlaubt, all das zu erleben und zu f\u00fchlen, um dann in wohligen tagtr\u00e4umen abends genu\u00dfvoll in den schlaf zu sinken&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>der sechszylinder faucht den asphalt an, hinter mir br\u00fcllt eine e-glide ihren dumpfen bass in die landschaft, vermischt mit dem heiseren r\u00f6hren eines magna-v4&#8217;s und dem weiteren bass einer glide. irgendwie scheint es, als ob sich der asphalt aus angst an den berg schmiegt, dabei wollen wir gar nichts schlechtes, sondern einfach nur seine griffigkeit mit unseren bikes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[177],"tags":[],"class_list":["post-1252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-guest-writings"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1252"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1252\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}