{"id":1089,"date":"2010-06-04T12:40:13","date_gmt":"2010-06-04T11:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/my.stargazer.at\/?p=1089"},"modified":"2010-06-04T12:40:13","modified_gmt":"2010-06-04T11:40:13","slug":"aus-dem-tagebuch-eines-alten-bikers-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/2010\/06\/04\/aus-dem-tagebuch-eines-alten-bikers-36\/","title":{"rendered":"aus dem tagebuch eines alten bikers 36"},"content":{"rendered":"<p>mittlerweilen bin ich schon etwas mehr als ein jahr goldwinger. es wird an der zeit, einmal eine zwischenbilanz \u00fcber diese zweirad-beziehung zu ziehen und vorsichtig in die zukunft zu blicken, sofern es eine geben kann&#8230; immerhin ist eine goldwing unbestritten eine eigene kategorie motorrad, welche mit nichts aus dem herk\u00f6mmlichen spektrum zu vergleichen ist.<\/p>\n<p><!--more-->nun, in dieser zeit habe ich gute 20.000km zur\u00fcck gelegt, dabei einige sch\u00f6ne landstriche im wahrsten sinn des wortes erfahren, viele kehren geschwungen und auch einiges an kilometern auf autobahnen zur\u00fcck gelegt, aber alles in allem, ich hatte es nie n\u00f6tig, die wing zu bezwingen, im gegenteil, ich konnte mich immer von ihr leiten lassen!<\/p>\n<p>zugegeben, die ersten meter waren von einer beinahe sichtbaren aufregung und einem dezent mulmigen gef\u00fchl begleitet. beides jedoch hat sich im lauf der zeit, sp\u00e4testens jedoch nach dem ersten fahrsicherheitstraining gelegt. daf\u00fcr kam ein unbeschreibliches gef\u00fchl der inneren befriedigung, der unbeschwertheit und des vertrauens ind dieses einzigartige fahrzeug zum vorschein.<\/p>\n<p>auch heute noch, wenn ich mich ungeachtet des wetters in den sattel schwinge und mich dem herrlichen gleitens mit der sechszylindrigen hingebe, da ist dieses gef\u00fchl sofort da, eigentlich schon mit dem dr\u00fccken des startknopfes&#8230;<\/p>\n<p>doch zur\u00fcck zum eigentlichen: was ist anders?<\/p>\n<p>im grunde genommen ist eigentlich nichts anders als bei einem anderen motorrad, doch in wirklichkeit ist alles anders! zuerst einmal beginnt schon beim anblick und beim n\u00e4herkommen der mythos &#8222;GoldWing&#8220; seine macht auszu\u00fcben, irgendwie fesselnd, wie sie da steht, so massiv, so gro\u00df, wie ein dom&#8230; oder wie ein fels in der brandung&#8230; kantig, geradlinig, massiv, aber trotzdem in einer ihr eigenen eleganz, sanftm\u00fctig, zur\u00fcckhaltend, wie eine grand dame aus der \u00e4ra einer audrey hepburn oder einer grace jones&#8230; klingt jetzt sehr gegens\u00e4tzlich, was es in vieler augen auch sein mag, sofern man eine der beiden damen kennt, aber eigentlich ist da kein gegensatz zu finden, denn beide haben ihr epoche und ihr metier gepr\u00e4gt, so wie seit beginn an die goldwing den begriff des motorrades gepr\u00e4gt und ver\u00e4ndert hat. und dar\u00fcber, so denke ich, braucht nun wirklich niemand eine grundsatzdiskussion zu beginnen, oder?<\/p>\n<p>das wissen um die au\u00dfergew\u00f6hnlichen eigenschaften, um die ideen und die grundgedanken im umfeld dieser maschine, auch die vielleicht grenzwertig anmutenden eckdaten, wie das eigengewicht oder hubraum oder zylinderzahl, all das mag, wenn nicht ehrfurcht, so aber doch ein mindestma\u00df an respekt hervorrufen. vielleicht auch etwas angst, wenn man in der situation ist, dieses motorrad bewegen zu sollen. doch, ist diese angst begr\u00fcndet? nicht im geringsten! ein bi\u00dfchen respekt schadet zwar nicht, aber angst ist einfach nicht n\u00f6tig!<\/p>\n<p>eines ist sicher: wenn man nicht in der lage ist, mit seinen zwei beinen fest am boden zu stehen, weil man zu klein ist, dann sollte man vielleicht doch ein etwas dezenteres motorrad w\u00e4hlen, vielleicht eine F6C, aber eine wing ist doch etwas zu massiv, um sie nur auf zehenspitzen zu halten, da braucht ebenfalls niemand dr\u00fcber zu diskutieren! man mu\u00df ein motorrad nun mal in jeder situation sicher abstellen k\u00f6nnen und dazu geh\u00f6rt nun mal, da\u00df man den boden sicher erreichen kann. die kraft, die wing zu halten, die ist eigentlich nie wirklich ein problem, ich denke, da\u00df es nur sehr wenige motorr\u00e4der gibt, die derma\u00dfen gut ausgewogen und ausbalanciert sind, da\u00df sie einer wing das wasser reichen k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>jedenfalls, ich habe bisher kaum momente erlebt, wo ich die zahlenm\u00e4\u00dfig hohe masse der 15&#8217;er wirklich gesp\u00fcrt h\u00e4tte, au\u00dfer beim aufstellen, aber da ist eigentlich so ziemlich jedes motorrad schwer&#8230; doch mit der richtigen technik geht alles! klarerweise war das rangieren, vor allem r\u00fcckw\u00e4rts, nicht immer einfach, aber mit ein bi\u00dfchen \u00fcbung und entsprechend vorausschauender parkweise lassen sich fast alle situationen vermeiden, und wenn mal nix mehr geht, dann kommt eben auch schon mal die elektrische r\u00fcckfahrhilfe, ein echter r\u00fcckw\u00e4rtsgang ist es ja nicht, zum einsatz&#8230; doch ein sto\u00f6zer winger vermeidet solche man\u00f6ver doch recht gerne. auch das aufbocken auf den hauptst\u00e4nder ist bei einer gef\u00fchlten halben tonne (okay, in natura gute 420kg!) kein echtes problem, da der hauptst\u00e4nder gut plaziert ist.<\/p>\n<p>tja, damit h\u00e4tten wir eigentlich die kritischen momente durch, abgesehen vom tanken ist so ziemlich alles ein vergn\u00fcgen mit der grand dame der landstra\u00dfe! obwohl das tanken auch nicht besonders schlimm ist, vor allem, wenn man bedenkt, da\u00df doch sechs zylinder mit einem gesamthubraum von 1520 kubikzentimeter ihren dienst versehen, da ist ein durchschnittsverbrauch im alltag von durchwegs unter 7 litern auf hundert kilometern eigentlich nicht schlimm, auf reisen sind es sogar bei gem\u00e4chlicher, weil geruhsamer und entspannender fahrt grad nur mehr 5,2 liter! und das bei einem reisegesamtgewicht von guten 600kg inklusive fahrer und campingausr\u00fcstung! da g\u00f6nnte sich das begleitfahrzeug, eine 750&#8217;er magna deutlich mehr! und das bei halbem hubraum!<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich besteht das leben mit einer wing nicht nur aus rangieren, auf- oder abbocken oder tanken, es geh\u00f6rt auch das fahren dazu! eigentlich meint man, da\u00df so ein brocken auf zwei r\u00e4dern relativ tr\u00e4ge sein m\u00fc\u00dfte, das stellt sich aber sehr schnell als irrtum heraus! wieselflink lassen sich stadtverkehr oder bergstra\u00dfen bezwingen, ruhige autobahngleitst\u00fccke sind auch kein problem, knackige \u00fcberholman\u00f6ver oder rauschendes kurvenschwingen ebenfalls nicht. da\u00df man so manchen anderen verkehrsteilnehmer verbl\u00fcfft zur\u00fcck l\u00e4\u00dft, nun, das kann man als unterhaltsame nebenwirkung z\u00e4hlen&#8230; selbst in voller beladung bleibt die wing gut beherrschbar und stellt niemanden vor ein gro\u00dfes problem, voraussetzung daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich, da\u00df man dem fahrwerk ein bi\u00dfchen mit progessiven federn, gabelstabi und guten reifen unter die arme gegriffen hat, die anpassung des luftunterst\u00fctzten federbeins an der hinterradaufh\u00e4ngung ist nat\u00fcrlich grundvoraussetzung. klar ist sie nicht unbedingt mit einer 180kg-maschine zu vergleichen, aber mit den \u00fcblichen tourern kann sie locker mithalten, vor allem was komfort und gutm\u00fctigkeit anlangt.<\/p>\n<p>zu guter letzt geh\u00f6rt nat\u00fcrlich ein mindestma\u00df an wartung zum leben eines bikers, so manches macht man einfach selbst, so manches \u00fcberl\u00e4\u00dft man der werkstatt und \u00e4rgert sich \u00fcber horrende preise und hin und wieder werden eben auch dezente kampfspuren zu beseitigen sein. nun, solange die kampfspuren nicht zu arg sind, halten sich die kosten in grenzen und, eine gute werkstatt vorausgesetzt, auch die werkstattkosten sind nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig hoch. und wenn man selbst hand anlegt, mit ein paar kniffen, die man durchwegs bei einem werkstattbesuch verinnerlichen kann, ist nicht einmal der hinterradausbau langwieriger als bei so manch anderem verkleideten bike, z.b. l\u00e4\u00dft sich der komplette heckaufbau in einer guten viertelstunde demontieren und ebenso schnell wieder montieren! auch der zugang zu den kerzen oder zum luftfilter, alles kein gro\u00dfer aufwand, wohingegen bei anderen bikes z.b. ein kerzenwechsel ohne fluchen und ihne tankdemontage nicht zu bewerkstelligen ist. selbst der radioausbau beim luftfilterwechsel stellt kein hinderni\u00df dar, in einer halben stunde ist der luftfilter getauscht, dazu ist nicht einmal eine werkstatt n\u00f6tig&#8230;<\/p>\n<p>nur die unterwegs-pannen, wie z.b. kaputte birne im frontbrenner, die sind etwas sehr umst\u00e4ndlich, weil dazu der doppelscheinwerfer ausgebaut werden mu\u00df&#8230; und sinnvollerweise daf\u00fcr die frontabdeckung der scheibe abzunehmen ist! das h\u00e4tte man sicher besser l\u00f6sen k\u00f6nnen, oder?<\/p>\n<p>nachtrag: hiermit verziehe ich mich mal dezent f\u00fcr ein paar wochen&#8230; wie hei\u00dft es in einer alten schnulze so treffend? I&#8217;m on the road again&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mittlerweilen bin ich schon etwas mehr als ein jahr goldwinger. es wird an der zeit, einmal eine zwischenbilanz \u00fcber diese zweirad-beziehung zu ziehen und vorsichtig in die zukunft zu blicken, sofern es eine geben kann&#8230; immerhin ist eine goldwing unbestritten eine eigene kategorie motorrad, welche mit nichts aus dem herk\u00f6mmlichen spektrum zu vergleichen ist.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[177],"tags":[],"class_list":["post-1089","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-guest-writings"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1089"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1089\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/my.stargazer.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}